Tango argentino "La potranca"

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Pep in der Milonga

In einer zweiteiligen Serie wendet sich Tangodanza an alle Tänzer, die schon längst Lust haben, eine eigene Milonga zu eröffnen: Welche organisatorischen und rechtlichen Sachverhalte müssen bedacht werden? Wie kann man eine Milonga zu einem ganz besonderen Erlebnis – nicht nur zu einer Tanzgelegenheit – machen?
Pep in der Milonga
Zurückgreifend auf den letzten Teil, der die grundständige Organisation besprach, blieb noch ein Aspekt unbetrachtet: rechtliche Erfordernisse, die ich detailliert nur für den deutschen Raum beschreibe. Dem Veranstalter ist gegen Schäden, die durch Gäste verursacht werden, sowie gegen Risiken aus Verletzungen, eine Veranstalterhaftpflicht anzuraten; bei Veranstaltungen in Lokalen bzw. angemieteten Räumen ist diese u.U. schon vorhanden und gilt auch für Fremdveranstalter. Werden Getränke ausgeschenkt, so ist eine Schanklizenz einzuholen – eine oft unnötige Arbeit bei geringem Gewinnpotential, so dass man alternativ auf selbstmitgebrachte Getränke/Speise ausweichen könnte. Letztlich entstehen bei der Milonga Einnahmen, die mit den Kosten verrechnet als Gewinn geltend gemacht und dem Finanzamt gemeldet werden müssen – und dies als Einnahmen aus Gewerbebetrieb, so dass die Beantragung eines Gewerbes nötig ist. Ratsam ist eine ordentliche Buchführung von Anfang an: eine Excel-Tabelle listet für jeden Termin sowohl die Einnahmen als auch anteilig abgetragene einmalige (Licht, Soundanlage, Sitzgelegenheiten, Dekoration) und wiederholte Ausgaben (Miete, DJ, Kassier, ggf. Knabbereien und Getränke). Für Klein-Veranstalter ist diese Art der Buchführung (Einnahmen-Überschussrechnung) zulässig und völlig ausreichend.
Der heutige Teil soll sich vielmehr der Frage widmen, wie eine Milonga – vielleicht nur ab und an, vielleicht auch immer – durch witzige Ideen zu einem richtigen Event werden kann.

Gängig – und daher hier nur kurz aufgelistet – sind Live-Musik, Verlosungen oder auch Shows durch lokale oder reisende Lehrerpaare. Doch auch hier gibt es Variationen: warum nicht mehrere Lehrerpaare gemeinsam und in verschiedener Konstellation tanzen lassen, vielleicht sogar zu Live-Musik? Oder wird vielleicht keine Flasche Wein, CDs oder Eintrittskarten verlost, sondern ein Tanz mit dem (natürlich vorher eingeweihten) Lehrer/Showtänzer/Veranstalter? Mit etwas längerem Zeitvorlauf haben auch lokale Tänzer mittleren und gehobenen Niveaus vielleicht Lust, ihren eigenen Tango-Stil einem kleinen Publikum vorzuführen, und bereiten selbständig oder unter Coaching eine kleine Show vor.

Schon etwas spezifischer ist die Zusammenarbeit mit andere Kunstformen: die Ausstellung von tango-bezogenen oder auch nur atmosphärisch passenden Bildern, Skulpturen oder Fotografien, Videoinstallationen neben/hinter der Tanzfläche, oder auch eine Lesung. Letztere kann mehrere Charaktere annehmen – von der klassischen Buchvorstellung vor der Milonga bis hin zum Vortragen von Tango-Texten, Kurzgeschichten oder Zitaten während des Tanzens, quasi als Cortina. A propos Liedtext: so viele Tänzer verstehen kein Spanisch. Die Fokussierung auf ein Stück mit Vorstellen des Textes und des geschichtlichen Hintergrunds sowie das Einspielen vieler verschiedener Versionen bringt nicht nur Abwechslung, sondern auch einen Lerneffekt in die Milonga.

Für größere und kleinere Veranstaltungen sehr beliebt sind Mottoparties: ob die (in München zur Wies'n-Zeit gängigen) Dirdl-und-Lederhos'n-Milongas, ein Faschingsfest, der Vampir-Ball oder auch eine Fetisch-Party: viele Tänzer haben einen Heidenspaß, sich zu verkleiden. Wenn dann auch die Raumdeko, das Speisen-/Getränkeangebot und vielleicht auch die Musik im Rahmen von Cortinas oder ein, zwei alternativen Stücken mit Bezug zum Festmotto stehen, ist eine gelungene Veranstaltung garantiert.

A propos Speisen: ein Mitternachttsschmankerl ist gerade bei längeren Bällen beliebt, und das gemeinsam improvisierte Frühstück schweißt nach All-Night-Milongas noch mal extra zusammen – ganz nebenher ergeben sich nette Gespräche und Kontakte. Will man sich als Veranstalter die Arbeit ersparen: ein Potluck-Buffet (jeder, der nach Voranmeldung eine Speise mitbringt, zahlt weniger Eintritt) bringt viel Effekt bei wenig zusätzlicher Arbeit.

Ganz besonders für Bälle bieten sich auch Koorperationen an.
Der Tangotänzer muss sich mit Kleidung und Schuhen eindecken – warum also nicht einen der Tango-Schuhläden zu einem Verkaufsstand einladen? Vor allem die Damen werden einen Tango-Flohmarkt begeistert aufnehmen, braucht man doch mindestens 100 – unterschiedliche – Kleider, und kann diese schlechterdings nicht zweimal tragen.
Auch Souvenirs kommen gut an – beispielsweise ein Fotograph, der die Paare entweder unbeobachtet oder als gestellte Szene aufnimmt, oder eine noch am Abschlussabend verkaufte DVD des Programms eines Workshopwochenendes.
Eher unangenehme Erinnerungen an eine lange Ballnacht lassen sich vermeiden, wenn zu später Stunde ein Masseur seine Dienste für Füße und Nacken anbietet – auf Festivals ein wirklicher Zusatznutzen, mit dem die Nacht noch lange beschwingt weitergeht.

Egal ob Groß- oder Kleinveranstaltung: wenn sich der Veranstalter Mühe gibt, jede Milonga zu etwas Besonderem zu machen, und gleichzeitig selbst Spaß dran hat, ist der Erfolg der Veranstaltung eigentlich schon garantiert. Beides wünsche ich künftigen Veranstaltern – auf viele neue Milongas im Herbst und Winter!

Druckbare Version Milonga Planung - Grundlagen Der kleine Tango-Knigge 1