Tango argentino "La potranca"

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Milonga Planung - Grundlagen

In einer neuen, zweiteiligen Serie wendet sich Tangodanza an alle Tänzer, die schon längst Lust haben, eine eigene Milonga zu eröffnen: Welche organisatorischen und rechtlichen Sachverhalte müssen bedacht werden? Wie kann man einen Raum zur Milonga gestalten? Und wie bekommt man Gäste? Diese Fragen werden im ersten Teil abgehandelt, während der zweite Teil Ideen für die ganz besondere Milonga anhand von Beispielen vorstellt.

Milonga-Planung
Milongas gibt es viele – und hat ein Tänzer die ersten 100 besucht, so fällt ihm vieles ein, was er vermisst, was er verbessern könnte. Ist er dann noch zufällig musikinteressiert, und die passende Lokalität findet sich, wird es Zeit, auf die Seite der Tango-Veranstalter hinüberzuwechseln. So jedenfalls ist es vor eineinhalb Jahren der Autorin ergangen, die hier Rahmenüberlegungen für die Organisation einer Milonga darstellt.

Ganz am Anfang steht eine Art Gesamtkonzept: für welchen Terminzeitraum (einmaliges Highlight oder regelmäßig), für welche Tageszeit (Tango-Brunch, Tango-Café, After-Work-Tango, Abend-Milonga) und in welchem Stil (edel-elegant, gemütlich-gediegen, relaxed, alternativ) soll Tango stattfinden? Welche Musik wird gespielt – und für welche Altersgruppe? Werden gezielt eingefleischte Tangueros angesprochen, oder soll die Milonga offen für Zuschauer und mitgebrachte Familienmitglieder sein?
Und wer macht mit: nur ein Veranstalter, oder eine Gruppe, vielleicht sogar lokale Lehrer? Will man externe DJs besorgen, oder kann dies einer der Veranstalter übernehmen? Stehen (Tango-)Freunde bereit, die beim Aufbau oder beim Kassieren unterstützen?

An diesem Konzept kann sich dann die Suche nach einem Raum anschließen: ob in einem öffentlichen Gebäude, einem Restaurant, einem anmietbaren Partysaal oder draußen, die Atmosphäre sollte das Gesamtkonzept stützen. Eine elegante Milonga wird wohl kaum am Grill-Flußufer mit Holzbohlen zum Tanzen stattfinden können, zu groß wäre der Aufwand, den Ort dem Konzept anzupassen. Und genauso ist alternativer Tango in einem fin-de-siecle-Café weniger gut aufgehoben als in der ausrangierten 70er-Jahre-Disko oder einer alten Fabrikhalle. Für öffentliche Gebäude und Parks ist eine Genehmigung einzuholen, mit Restaurants wird über Miete, Gewinnbeteiligung oder auch Mindest-Verzehrgrenzen zu verhandeln sein.

Primär braucht der Tanzort, egal ob drinnen oder draußen, eigentlich nur eine Tanzfläche – je nach Zahl der erwarteten Besucher sollten es mindestens 50m² (ca.10 tanzende Paare, etwas Sitzplatz) sein, weiterhin einen Zugang zum Strom und Toiletten, auch Parkplätze oder eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Alles andere kann nötigenfalls gesondert organisiert werden. Hierbei ist u.a. an Sitzgelegenheiten, Beleuchtung und Musikanlage sowie Getränke zu denken. Auch der Veranstaltungsablauf sollte nicht dem Zufall überlassen, sondern durchdacht werden: gibt es vorab einen Schnupperkurs für interessierte Einsteiger, oder findet ein Workshop statt? Werden die Gäste an der Kasse begrüßt, oder bei einer kurzen Ansprache?

Sind die Eckdaten klar, sollte man sich Gedanken über das Branding machen: wird die Milonga argentinien-typisch "Lo de Ana" oder "La milonga de las minas", chillig-relaxed "Alterna-tango", oder gar poetischer "Mondschein-Tango"? Wichtig ist wiederum, dass der Ort, das Konzept der Milonga, die Musikauswahl und letztlich auch die Werbung ein stimmiges Gesamtbild ergeben. "Lo de Ana" wirbt vielleicht mit einem argentinisch anmutenden Schriftzug mit vielen Ranken-Verzierungen, "Alterna-Tango" mag ein graphisches Design bevorzugen, und "Mondschein-Tango" ein mit Text hinterlegtes Foto.
Gutes Graphik-Design kann man sich selbstverständlich erstellen lassen – was sich für die erste Milonga aber kaum lohnen wird. Wer nicht selbst schon einige Tango-Fotos aufgenommen hat, und auch ein Fotos des Raumes nicht als Werbungsträger nutzen möchte, findet im Internet recht kostengünstig Nutzungsrechte für Fotographien und/oder Designs (ca. 5€ pro Bild), die – hinterlegt mit Text – ansprechende Werbematerialien ergeben.

Neben Flyern, die man in den Milongas der Umgebung auslegen kann, bieten sich lokale, regionale und auch deutschlandweite Online-Portale (cybertango.de, neotango.de, nicht zuletzt auch der Termin-Bereich der Tangodanza) als kostengünstige Werbungsträger an; genauso sollte man sich einen Email-Verteiler aufbauen, und Gäste um deren Adresse bitten. Gerade wenn es auch um Tango zum Zuschauen, einen Schnupperkurs oder auch Live-Musik-Veranstaltungen geht, ist auch die Regionalzeitung einzubeziehen: auch auf eine kurze Notiz, ggf. mit Photo, finden sich oftmals einige Kulturinteressierte ein.

Nun müssen rechtliche Aspekte erledigt werden (die ich detailliert nur für den deutschen Raum beschreibe): dem Veranstalter ist gegen Schäden, die durch Gäste verursacht werden, sowie gegen Risiken aus Verletzungen, eine Veranstalterhaftpflicht anzuraten; gelegentlich gilt diese in Lokalen auch für Fremdveranstalter. Werden Getränke ausgeschenkt, so ist eine Schanklizenz einzuholen – eine oft unnötige Arbeit, so dass man alternativ auf selbstmitgebrachte Getränke/Speise ausweichen könnte. Letztlich entstehen bei der Milonga Einnahmen, die mit den Kosten verrechnet als Gewinn gelten und dem Finanzamt gemeldet werden müssen – und dies als Einnahmen aus Gewerbebetrieb, so dass die Beantragung eines Gewerbes nötig ist. Ratsam ist eine ordentliche Buchführung von Anfang an: eine Excel-Tabelle listet für jeden Termin sowohl die Einnahmen als auch einmalige (Licht, Soundanlage, Sitzgelegenheiten, Dekoration) und wiederholte Ausgaben (Miete, DJ, Kassier, ggf. Knabbereien und Getränke), die anteilig bzw. bei jedem Termin abgetragen werden. Für Klein-Veranstalter ist diese Art der Buchführung (Einnahmen-Überschussrechnung) zulässig und völlig ausreichend.

Zwei bis drei Monate sollte man sich von der ersten Idee bis zur ersten Milonga Zeit nehmen, um sicherzustellen, dass alle relevanten Punkte abgearbeitet wurden und auch die Ankündigung hinreichend Zeit hatte, sich bei den Tänzern zu verbreiten. Wie man die Milonga – ganz unabhängig von Raumwahl, Musik und Deko – für die Gäste zu einem besonderen Erlebnis werden lässt, besprechen wir im nächsten Teil.

Druckbare Version Pep in der Milonga