Tango argentino "La potranca"

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Der kleine Tango-Knigge 1

In einer neuen Serie will sich Tangodanza den typischen Sitten und Gebräuchen rund um den Tango Argentino widmen. „Warum?“ wird sich so mancher Tanguero und manche Tanguera fragen – hingehen, tanzen, fertig! Doch eine Milonga ist ein gesellschaftliches Treffen, auf dem sich mitunter bis dahin wildfremde Menschen extrem nahe kommen. An vielen Orten haben sich Verhaltensregeln etabliert zu Fragen wie: Muss ich meinen Tanzpartner zu seinem Sitzplatz zurückbringen? Wie fordere ich „richtig“ auf? Was ziehe ich an? Einige davon wollen wir hier vorstellen. Unser „kleiner Tango-Knigge“ richtet sich jedoch nicht nur an diejenigen, die ihre ersten Schritte in die Tangowelt setzen. Vielmehr verstehen wir ihn als ein Angebot an alle, das eigene Verhalten zu überprüfen und als Anregung, vielleicht auch einmal etwas anderes auszuprobieren.
Die Autorin tanzt sowohl in Süddeutschland als auch im Ausland, insbesondere in den USA, wo sich durch den Einfluss von argentinischen Lehrern die altehrwürdigen Milonga-Sitten erstaunlich erhalten haben. Und für diejenigen, die vielleicht ihre erste Reise nach Buenos Aires planen, hat sie so manchen überraschenden Verhaltens-Tipp auf Lager.
„Hay reglas que no se pueden romper... „ (Es gibt Regeln, die man nicht brechen darf…) - so lautet die Grobzusammenfassung eines alten Textes über Tangoregeln. Wirklich? Regeln, die man schlechterdings beachten muss? Während die kommenden zwei Teile der Serie die doch umstrittenen „códigos“, die alten Tango-Gebräuche, behandeln werden, hat die erste Folge die tangobezogene Anwendung allgemeiner Höflichkeitsregeln zum Inhalt – und diese Regeln sind wirklich unumgänglich.

Der kleine Tango-Knigge - Teil 1

Eigentlich fängt es schon mit der Vorbereitung zur Milonga an. So lächerlich es klingt, aber für viele Tänzer scheint es nicht selbstverständlich zu sein, sich vorher zu duschen, Deodorant zu benutzen, möglicherweise Kleidung zum Wechseln mitzubringen und sich zwischen den Tanz-Runden aufzufrischen. Auch der Verzicht auf Knoblauchbrot, Kreuzkümmel und ähnlich ausdünstenden Gewürzen ist angebracht. Doch auch zuviel des Guten ist und bleibt problematisch: Parfum, insbesondere die schweren Abendnoten der Damen, muss nicht gleich den ganzen Saal beduften, sondern sollte allenfalls der Nase des Tanzpartners schmeicheln.

Seine Wertschätzung für die Mittänzer wie auch für den Gesamtrahmen drückt man mit angemessener Kleidung aus. Jeans und T-Shirt für den Ball sind genauso unangemessen wie ein Anzug zur alternativen Milonga – hier dürfen dann Muscle- Shirts, Hotpants und alle anderen Verrücktheiten zum Ausdruck kommen. Für Herren ist die Wahl zumindest für eine traditionelle Veranstaltung eigentlich einfach: Mit schwarzer Hose und schwarzem oder weißem Shirt ist man immer gut angezogen. Damen sind schon farblich viel ungebundener: schwarz geht immer, rot ist nett, türkis eine Abwechslung, violett ungewöhnlich, gelb ein Wagnis, weiß etwas Besonderes. Selbstverständlich ist das in allen denkmöglichen Schnitten und Kombinationen tragbar: Rock, Hose, Kleid oder – wie vor allem im Winter gerne gesehen – Kleid über enger Hose. Dann gibt es natürlich noch die Tango-Modetrends: während bis vor kurzem Leggins zum Rock ein Muss aller Tango-Fashionistas waren, sind es neuerdings Söckchen zu High Heels und Minirock.

Egal ob man den Moden folgen will oder auf „traditionell-kurz-eng-Netzstrumpf“ steht - auch die Bequemlichkeit und der spätere Tanzspaß sollten bedacht werden. Ständiges Rumzupfen, weil Shirt-Träger und Strumpf rutschen oder die Leggins hängt, stört den Tanz genauso wie scheuerndes oder kratziges Material.
Auch geputzte Schuhe sind erwünscht – genauso wie deren gedankenvoller Einsatz. Ein frisch mit roter Schuhcreme behandelter High-Heel muss ja nicht unbedingt eine Lustrada an der weißen Hose des Tanzpartners vollführen.

Die Milonga ist allerdings nicht nur Tanzstätte, sondern auch ein sozialer Treffpunkt – und so gelten auch hier die üblichen Verhaltensregeln. Begrüßt und verabschiedet wird meist mit Busserl („besitos“) unter Frauen und zwischen Männern und Frauen – Männer untereinander halten es eher mit einem Schulterschlag oder Händedruck. Auch ein Zublinzeln mit Freunden, die gerade auf der Tanzfläche sind, ist durchaus üblich – aber kurz und für Unbeteiligte unbemerkt sollte es sein. Keinesfalls wird man den Tanz stören wollen, nur um sich bemerkbar zu machen. Sobald ein Paar auf der Tanzfläche ist, gibt es nur eines was zählt: den Tanz.

Selbstverständlich sollte es auch sein, Ortsfremde und Anfänger zu integrieren. Gerade letztere werden es mit Dankbarkeit – und in ein paar Jährchen auch mit einem wirklich guten Tanz danken. Wie weit dies gehen sollte, ist unterschiedlich: Manche meinen, man müsse jede Frau mal auffordern („damit sie nicht nur rumsitzt, die Arme…“), andere mögen hauptsächlich mit den Leuten tanzen, mit denen es harmoniert – und überlassen Anfänger-Tangueros daher ihrer eigenen Gruppe. Das Auffordern selbst und das Verhalten auf der Tanzfläche wird allerdings in der nächsten Ausgabe besprochen.

Gut behandeln sollte man auch Organisatoren und DJs. Gerade weil hinter den meisten Tango-Veranstaltungen viel unhonoriertes Engagement steckt, freuen sich alle über ein Dankeschön, ein ehrliches Lob, aber auch über Mithilfe - und wenn es nur beim Zusammenräumen der Stühle ist.

Das haben wir doch alle schon längst gewusst, werden jetzt die meisten Leser denken. Klar. Und wir halten uns alle auch meistens daran, in Zukunft vielleicht ja noch öfter. Auf dass wir eine fröhliche, gemeinschaftliche Stimmung bei der Milonga, gut duftende Tanzpartner – und viele schöne Tänze haben!

Druckbare Version Pep in der Milonga Der kleine Tango-Knigge 2