Tango argentino "La potranca"

Allgemein

Startseite Impressum English version

Nebulosa de los sueños

Neue Electrotango-Alben haben wir in den letzten vier, fünf Jahren in Hülle und Fülle gesehen – von Compilations über bis dato unbekannte Gruppen, von Gemeinschaftsprojekten bis zu bekannten Künstlern, die etwas Neues ausprobieren wollen. Einige wenige konnten sich etablieren, viele enthalten ein, zwei brauchbare Stücke, bleiben aber Eintagsfliegen. Entsprechend kritisch ging ich an die CD „Nebulosa“ heran.

Sean McGee, Komponist und (u.a. Film-)Musiker, kam erst 2009 zum Tango und war so sehr von Tanz und Musikform begeistert, dass er „ambient chill-out Musik mit Tangorhythmus zum Tanzen und Zuhören“ schaffen wollte.
Insofern darf man festhalten, dass dem Komponisten zwar nicht eine langjährige Erfahrung in Tango argentino zur Verfügung stand, er jedoch – im Gegensatz zu anderen ambitionierten Freizeitmusikern – sein Komponisten-Handwerk gelernt hat. Das merkt man auch der CD an. Die Titel sind professionell aufgesetzt, haben klar strukturierte, abwechslungsreiche Melodieführung und Rhythmik, und sind insgesamt ausgewogen gestaltet. Der Vergleich zu Gustavo Santaolalla bzw. Bajofondo Tangoclub drängt sich an dieser Stelle auf. Aber ist es fair, eine professionell betreute, aber doch gewachsene uruguayische Band – inklusive Bandoneón, schwarzgelocktem Sänger mit Kratzestimme und Tango-Beat im Blut – mit einer künstlerischen, hauptsächlich digitalen Neuproduktion aus Europa zu vergleichen?

Auffallend ist, dass die Titel der vorliegenden CD mehr auf Downbeats basieren als vergleichbare Kompositionen, was sie ruhiger, chilliger wirken lässt. Der durlastige Charakter, Einspielungen von Mövenschreien und Samba-Rhythmen („La salida del sol“) und eine zwischen „Instrumenten“ wechselnde Melodiestimme geben eine hohe Dynamik, stellen aber auch tänzerische Anforderungen – und machen es schwer, die Stücke sofort wiederzuerkennen.
Der DJ-Test bestätigt: „Nebulosa de los sueños“ kommt sehr gut an, auch „3 years too late?“, „Paradoja“, und „Lucky eights“. Einige weitere Stücke („Es que te quiero“, „Caricia“) lassen sich gut als Hintergrund-Lounge-Musik oder zum Training auflegen.

Die CD ist definitiv empfehlenswert – für die ein oder andere electro-Tanda lässt sie sich gut verwenden, und hebt sich insbesondere aufgrund des fröhlichen Charakters von bestehenden Werken ab. Interessant wird in diesem Zusammenhang auch Sean McGees zweites Album sein, in dem er sich an Elektro-Valses wagen wird: nicht nur, dass es hier bisher kaum Stücke gibt, auch die Art der Komposition und den Klangcharakter kann ich mir zum Vals gut vorstellen.

1. Tanzbarkeit: * * * *
2. Klangqualität * * * *
3. Titelauswahl/Interpretation: * * *
4. Editorischer Wert: * * * *
5. Vokalanteil: 0%
6. Spieldauer: 49:58

Druckbare Version